.. dichtet lecke Dichtungen

OldtimerPraxis: LecWec funktioniert

OldtimerPraxis Heft 5/2000 (Herrmann Rauh)

Im Originalartikel heist es:

In den Regalen der Autoteile- und Zubehörhändler stehen sie reihen-
weise, die Öladditive, die schon mit ihrem Namen Wundersames versprechen: Neben einem zweiten Produkt haben wir auch LecWec gekauft. Wir wollten wissen: Wie arbeiten diese Additive, die lecke Dichtungen kurieren sollen? Und halten sie, was sie versprechen? Wir haben es ausprobiert.

Ein undichter Motor ist ein echtes Ärgernis, und das nicht erst, seit das Umweltbewusstsein allerorten stark gewachsen ist. Auch vor 30 Jahren, als ein großer Ölfleck unterm Auto allgemein noch beinahe toleriert wurde, war starker Ölverlust bereits ein „Erheblicher Mangel" im TÜV-Prüfbericht.

Der Grund für kleine oder auch größere Öl-Lecks ist praktisch immer der gleiche - von beschädigten außen liegenden Leitungen, losen Verschraubungen, Beschädigun-
gen an Dichtflächen von Gehäuseteilen oder gar einem gerissenen Motorblock einmal abgesehen. Fast immer weigert sich bösartigerweise eine Dichtung, ihrer Lebensbestimmung nachzukommen, und hält nicht mehr länger dicht. Dass es sich dabei ausgerechnet um einen Pfennig-Artikel handelt, macht die Sache nur doppelt ärgerlich, denn meist erfordert der Austausch der maladen Dichtung, den Motor oder das Getriebe weitgehend zu zerlegen.
Die Idee, dem Problem durch die einfache Beigabe eines Additivs zum Öl beizukommen, ist da natürlich mehr als nur reizvoll. Nun ist die Art der in Oldtimer-Motoren verwendeten Dichtungen mannigfaltig: Flachdichtungen, beispielsweise um Gehäuseteile gegeneinander abzudichten, gibt es beispiels-
weise aus Metall, Kork oder auch Papier. O-Ringe und Wellendichtringe werden aus diversen Kunststoffen hergestellt, und manche Kurbelwellen wurden (bei Pkw bis in die siebziger Jahre!) zum Beispiel mit graphierten Asbestschnüren in Ringnuten abgedichtet. Speziell bei vielen englischen Fahrzeugen findet man den zweiteiligen Burmann-Ring - eine ganz ähnliche Lösung, die auch mit einer „Asbest-Dichtlippe" arbeitet, und Filzdichtringe sind aus älteren Motoren ebenfalls wohl bekannt. Schließlich weisen viele ältere Motoren (obwohl der Wellendichtring bereits 1939 erfunden wurde) lediglich Ölrücklaufgewinde zur Abdichtung der Kurbelwelle im Gehäuse auf.

Die Frage liegt auf der Hand: Welchen Einfluss - wenn überhaupt - haben die erwähnten Additive auf welche dieser Dichtungen?

Lec-Wec des Herstellers Chambers arbeitet mit Weich-
machern als Wirkstoff, die den Elastomer-Dichtungen ihre alte Flexibilität zurückgeben sollen. Chambers gibt zwar an, in 60 bis 65 Prozent aller Fälle dank der hohen Oberflächen-
spannung von Lec-Wec auch bei feineren (Haar-)Rissen in Dichtungen anderen Materials - beispielsweise Papier, Kork oder Metall - eine positive Wirkung zu erzielen, sichert hier auf unsere Rückfrage hin aber keinen Erfolg zu.

Doch genug der grauen Theorie. In der Praxis testeten wir Lec-Wec an einem älteren Peugeot 306 Diesel, der starken Ölverlust an einem Wellendichtring der Nockenwelle aufwies - ein durchaus verbreiteter Mangel. Genau nach Hersteller-
vorgabe gaben wir dem Motoröl drei Prozent des Additivs bei (Preis: 59,90 Mark für 100 Milliliter). Tatsächlich verschwand das Problem daraufhin im Laufe einiger Tage (und über eine während dieser Zeit zurückgelegte Distanz von rund 600 Kilometern) praktisch völlig. Lediglich vereinzelt trat noch der eine oder andere Tropfen des Schmierstoffs aus. Der wahrscheinliche Grund für den nicht hundertprozentigen Erfolg kam einige Zeit später ans Tageslicht, als eine defekte Zylinderkopfdichtung es erforderlich machte, den Motor teilweise zu zerlegen. Die Wellendichtringe der obenliegenden Nockenwelle hatten sich tief in die Welle eingearbeitet und dabei selbst an den Dichtlippen erheblichen Schaden genommen. Um so erstaunlicher scheint es uns angesichts dieser Schadensdiagnose, dass der Ölverlust zuvor dennoch weitestgehend gestoppt werden konnte.

Unser Fazit: Zumindest bei den geschilderten Dichtigkeits-
problemen an elastomeren Dichtringen haben sich beide von uns getesteten Additive bewährt. Die Wirksamkeit der Additive auf andersartige Dichtungen ist indes nicht belegt, weshalb wir werbenden Versprechungen wie „Für alle lecken Dichtungen" skeptisch gegenüberstehen. Außerdem wichtig: Die Zusatzstoffe können die erwähnten Dichtringe nur bis zu einem bestimmten Punkt „regenerieren", auf keinen Fall aber reparieren, beispielsweise kleben. Liegen mechanische Beschädigungen der Dichtlippen vor, ein Riss oder ein Schnitt etwa, hilft daher letztlich nur ein neuer Dichtring. Und auch bei beschädigten Dichtflächen oder eingelaufenen Wellen können Lec-Wec oder andere vergleichbare Mittel bestenfalls das Übel kaschieren, aber nicht dauerhaft kurieren.

Wichtig laut Aussage der Anbieter: Die korrekte Dosierung der Additive. Denn viel hilft nicht immer viel... Aber wahrscheinlich halten schon die happigen Preise die Käufer davon ab, es zu übertreiben. Billiger als einen Motor, ein Getriebe oder eine Achse zu zerlegen und neu abzudichten sind die Ölzusätze in jedem Fall und schon deshalb einen Versuch wert - solange es um einen lecken Dichtring geht.

Den Originalartikel von LecWec Test in der OldtimerPraxis finden sie hier